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Die Schlaumäuse sind in erster Linie ein Spiel, weshalb die Kinder selbst entscheiden, ob und wie sie sich damit beschäftigen.

Die Arbeit der Stiftung Lesen

Digitale Medien helfen, Kinder an Bücher heranzuführen

Die Stiftung Lesen versteht sich als Ideenwerkstatt, die mit innovativen Initiativen für Kinder, Jugendliche und Eltern die Lust am Lesen wecken und stärken möchte.

Im Interview erläutert Sabine Uehlein, Geschäftsführerin Programme und Projekte der Stiftung Lesen, warum es in der heutigen Medienwelt wichtig ist, den Umgang mit allen Lesemedien zu erlernen.
Die Stiftung Lesen entwickelt Leseförderungs-Projekte für alle Altersgruppen. Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Jedes unserer Projekte hat seinen eigenen Reiz und ist für sich gesehen wichtig und bedeutsam. Deswegen fällt es schwer, eines besonders herauszuheben. Man kann jedoch sagen, dass uns die Projekte besonders am Herzen liegen, die zum einen das Potenzial haben, gerade die Menschen für das Lesen zu begeistern, die sonst wenig lesen, und die zum anderen die Vorteile und Chancen unterschiedlicher Lesemedien nutzen.

Wie wichtig ist die Einbeziehung neuer Medien für die Lese- und Sprachentwicklung von Kindern und Jugendlichen?
Wir sehen grundsätzlich alle Medien als gleichwertig an und nutzen ihre unterschiedlichen Potenziale und Chancen in der Leseförderung. Wir sind der Überzeugung, dass es in der heutigen Medienwelt für Kinder und Jugendliche grundsätzlich wichtig ist, den Umgang mit allen Lese-Medien zu lernen, sich damit vertraut zu machen und das vielfältige Medienangebot kompetent zu nutzen.

Während es allerdings zahlreiche Studien zum Einfluss etwa des Vorlesens auf die Entwicklung der Kinder und ihre spätere Lesekompetenz gibt, ist der Einfluss digitaler Medien auf die Lese- und Sprachentwicklung bislang leider noch nicht hinreichend untersucht. Es ist wünschenswert, dass es auch für diesen Bereich in Zukunft belastbare Studien gibt, damit das Potenzial digitaler Medien in der Leseförderung besser genutzt werden kann.

Warum ist es sinnvoll, dass Kinder bereits frühzeitig an den Umgang mit neuen Medien herangeführt werden?
Kinder wachsen heute in einer Welt auf, die von unterschiedlichen Medien geprägt ist. Für sie ist die Nutzung digitaler Medien zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Wichtig ist es, neben diesem intuitiven Umgang bei Kindern und Jugendlichen möglichst früh auch eine kritische und verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit digitalen Medien zu fördern. Nur so haben sie die Chance, diese später eigenverantwortlich und mündig zu nutzen.

Tragen computergestützte Sprachlernprogramme, wie zum Beispiel „Die Schlaumäuse“, zur Leseförderung bei?
Leseförderung in der Familie und in der Kita ist immer eine ganzheitliche Aufgabe. Der kindliche Sprachgebrauch und das Textverständnis werden zum Beispiel gefördert durch die alltägliche Kommunikation, durch Lesen und Vorlesen oder durch spielerische Elemente. Auch elektronische Medien spielen in diesem Gesamtkontext eine Rolle. Sie können Neugierde wecken und Lust darauf machen, neues auszuprobieren. Mit ihrer Hilfe können Kinder, die sonst weniger gerne lesen, leichter an Sprache und Schrift herangeführt werden.

Dementsprechend steckt auch in digitalen Lernprogrammen durchaus Potenzial. Neben der niedrigen Hemmschwelle und dem Reiz der Technik bieten sie die Möglichkeit eines sehr individuellen und maßgeschneiderten Lernens. Wichtig ist, dass die Beschäftigung mit digitalen Lernprogrammen von Eltern oder Erziehern begleitet wird und Teil einer ganzheitlichen und umfassenden Sprach- und Medienerziehung ist. Dazu müssen das pädagogische Fachpersonal entsprechend geschult und Eltern in die Arbeit mit eingebunden werden.

Lassen sich Kinder und Jugendliche mithilfe moderner Technologien zum Lesen animieren?
Erste experimentelle Untersuchungen, unter anderem des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen, haben ergeben, dass E-Books und E-Reader ein großes Potenzial besitzen, um sogenannte leseferne Kinder und Jugendliche zum Lesen zu motivieren. Bei Kindern, die sonst weniger gern zum Buch greifen, kann durch die für sie interessante Technik eine Anfangsbegeisterung für das Lesen geweckt werden. Dies gilt in besonderem Maße für Jungen. Auch die Hemmschwelle, sich mit langen Texten zu beschäftigen, kann durch digitale Medien gesenkt werden. Lange Texte erscheinen in digitaler Form für viele Kinder besser beherrschbar als ein dickes gedrucktes Buch. Auch Eltern können mit Hilfe digitaler Medien stärker zum Vorlesen animiert werden. So hat die jüngste Vorlesestudie von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn ergeben, dass jeder fünfte Vater, der selten oder nie aus Büchern vorliest, für das Vorlesen mit Apps offen ist.

Sie erstellen auch Unterrichtsmaterialien für Deutschlands Schulen. Welchen Stellenwert nehmen darin neue Medien ein?
Digitale Medien spielen auch bei unseren Unterrichtsmaterialien eine immer größere Rolle. So stellen wir die Unterlagen in der Regel online zum Download zur Verfügung, so dass Lehrkräfte jederzeit und unkompliziert darauf zugreifen können. Auch in den Projekten selbst berücksichtigen wir ergänzend zu klassischen Printmedien auch digitale Medien, um die Kinder so mit der Medienvielfalt vertraut zu machen. In einigen Projekten arbeiten wir zum Beispiel mit interaktiven pdfs und Webquests. Allerdings müssen wir natürlich immer die Machbarkeiten und Realitäten an den Schulen im Auge behalten. Viele Schulen sind noch nicht flächendeckend mit der entsprechenden Technik – also zum Beispiel mit E-Readern oder Tablet-PCs – ausgestattet. Auch die Kenntnisse und Motivation der Lehrkräfte müssen wir bei der Entwicklung aller unserer Projekte berücksichtigen.

Wie können moderne Medien und Bücher sinnvoll nebeneinander genutzt werden?
Die oft heraufbeschworene Konkurrenz von gedruckten und digitalen Medien beziehungsweise die Gefahr der Verdrängung des einen durch das andere sehen wir so nicht. Statt eines „Gegeneinander“ plädieren wir für ein stärkeres „Miteinander“ der verschiedenen Mediengattungen. Hörbücher, Lesestifte oder die Vorlesefunktion von Kinderbuch-Apps für Tablet-PCs und Smartphones können eine sinnvolle Ergänzung zum Vorlesen und eigenen Lesen der Kinder sein. Bei älteren Kindern, denen das Lesen noch schwer fällt, können digitale Medien helfen, sie an Bücher heranzuführen, ihnen schwierige Stellen zu erleichtern und das Erleben der Geschichten mit Spannung und einer entsprechenden Atmosphäre zu bereichern. Auch fördern sie die Fähigkeit, gut zuzuhören, zu verstehen und das Gehörte umzusetzen zu können. Wichtig ist, dass sich der ergänzende Einsatz digitaler Medien immer an den individuellen Bedürfnissen des Kindes orientiert. So haben Print- und Digitalmedien viel gemeinsames Potenzial in der Leseförderung.

Weiterführende Informationen

Stiftung Lesen
Alle Projekte der Stiftung Lesen
[stiftunglesen.de | 05.11.2012 | 12:13]