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Könige, Kapitäne und Indianer?!

Dienstag, 17 Januar, 2017
Manuela Seidel
Aus der Praxis
Lesen lernen ist Gehirnakrobatik. Wie schafft man es, einem Schulkind Freude und Begeisterung am Lesen lernen zu vermitteln? Kinderbuchautorin Manuela Seidel schreibt über Tipps und Tricks zum Lesen lernen.

Könige, Kapitäne und Indianer?! - Ein Erfahrungsbericht über das Lesen lernen
Lesen lernen ist Gehirnakrobatik. Oder wie sagte die Klassenlehrerin beim ersten Elternabend: Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich Aussehen und Aussprache von Hieroglyphen merken, die in Ihren Augen wild aneinandergereiht sind. Genau so ergeht es Ihrem Kind mit Buchstaben und Wörtern! Wie schafft man es, einem Kind Freude und Begeisterung am Lesen lernen zu vermitteln? Mamas, Papas, Omas oder Opas müssen dabei schon tief in die Trick-Kiste greifen …
Je nach Schule bzw. Klassenlehrer/in bekommen Erstklässler bereits nach knapp sechs Wochen die Aufgabe, jeden Tag lesen zu üben. Das heißt leider in vielen Familien: Um jedes einzelne Wort feilschen. Wenn das Wort zu kurz oder einfach ist, dann kann es passieren, dass das Kind es bereits auswendig aufsagen kann. Wenn die Wörter zu schwierig sind, kratzt das an der Motivation des Erstklässlers. Also, was kann man tun, um seinem Kind Spaß am Lesen lernen zu vermitteln?

  • Weiter vorlesen (als Ritual): Aktuelle Studien zeigen, dass Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, mehr Spaß am Lesen haben und durchschnittlich besser in der Schule mitkommen. Auch wenn das Kind nun die ersten Buchstaben gelernt hat, lesen Sie ihm weiter vor! „Ich ein bisschen, Du ein bisschen“: Entweder man liest aus einem Buch vor und das Kind liest (wenn es möchte) kleinere Textpassagen aus dem gleichen Buch. Oder man legt beim Vorlesen wie nebenbei einen Finger unter ein (einfaches) Wort und animiert das Kind so zum Lesen.

  • Im täglichen Leben üben: Schilder, Verpackungen … alles kann buchstabiert werden.

  • Spielerisch lernen, indem man ein Buchstaben-Spiel bastelt (oder kauft): Jeden Buchstaben mehrfach ausdrucken und in Quadrate ausschneiden. Einen Buchstaben-Haufen mit Vokalen und einen mit Konsonanten machen. Dann immer einen Konsonanten ziehen und einen Vokal, die gebildete Silbe muss vorgelesen werden. MA LO TE NU … dann umdrehen. Vokal zuerst. Den Schwierigkeitsgrad kann man erhöhen, indem man auf 3 und mehr Buchstaben erhöht.

  • Ergänzende Unterstützung von digitalen Medien: Es ist erstaunlich, wie viel Spaß es Kindern macht, dieselben oder ähnliche Lese-Übungen vom Arbeitsblatt von der Schule ergänzend auf dem (Tablet-) Computer zu machen! Die mehrfach ausgezeichnete Lern-Software Schlaumäuse unterstützt mit solchen Übungen zum Lesen und Schreiben lernen wie z.B. Silbenbögen, das Wort zum Bild schreiben oder man kann sich auch Wörter und Buchstaben in einzelnen Übungen vorlesen lassen.

    Dieses Jahr mal den Geburtstags-Wunschzettel auf dem Computer in Word oder Powerpoint gestalten? Mit dem Tablet-Computer können mit dem Stift oder Finger selbst Wörter geschrieben und sogar Bilder der Wünsche dazu gemalt werden. Meine Empfehlung ist allerdings, das Kind nicht unbeaufsichtigt am Computer sitzen zu lassen. Zeiten mit digitalen Medien müssen unbedingt altersentsprechend eingeschränkt und kontrolliert werden.

  • Ein Buch wählen, welches das Kind interessiert: Was für ein Thema findet Ihr Sohn oder Ihre Tochter (so richtig!) spannend? Cowboy und Indianer? Dinosaurier? Prinzessin? Pferde?

  • Üben, üben, üben: Auch wenn es nur 3 Wörter am Tag sind, Hauptsache Ihr Kind liest!

Zusammenfassend sollten Sie folgende Dinge beachten beim Lesen und Vorlesen:
  • Schaffen Sie ein angenehmes Wohlfühl-Umfeld beim (abwechselnden) Lesen und Vorlesen,

  • loben Sie Ihr Kind viel (und seien Sie geduldig),

  • hören Sie Ihrem Kind zu und seien Sie aufmerksam, denn Zuhören verbindet (z.B. Stiftung Zuhören www.zuhoeren.de und www.lilolausch.de)

  • Textlänge und Schwierigkeitsgrad langsam steigern,

  • wählen Sie ein Buch aus, das Ihrem Kind Spaß macht und

  • wenn möglich sind Sie selbst ein Vorbild, wenn Ihr Kind Sie ein Buch lesen sieht.

Lesen lernen dauert 2 Jahre, sagte uns die Klassenlehrerin. Das Ziel ist es, dass das Kind Spaß und Freude am Lesen und Büchern hat. Ob es nun das gedruckte Buch, Straßenschilder oder Verpackungen sind oder das Lesen und Schreiben lernen ergänzend mit digitalen Medien: Hauptsache Ihr Kind hat Freude an Buchstaben und Wörtern!

Zur Autorin: Manuela Seidel ist Mutter von einem Erstklässler und einem Kindergartenkind, ehrenamtliche Vorleserin und schreibt als Autorin mit Leidenschaft und Liebe Kinderbücher.

Weiterführende Informationen

www.lesestart.de
www.leseworte.de