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Fußball oder Wörterland?

Freitag, 1 Juni, 2018
Catrin Krawinkel
Aus der Praxis
Die Kita Kleiner Fratz aus Berlin sammelt ganz unterschiedliche Erfahrungen mit den Schlaumäusen. Kinder, die kognitiv schon weiter sind, haben viel Spaß im Wörterland, andere wollen sich lieber bewegen. Warum, das erklären die Erzieherinnen im Gespräch

Hinter hohen Bäumen versteckt liegt das weiße Gebäude, in dem sich die Kita Kleiner Fratz befindet. Rund 100 Kinder aus dem Berliner Stadtteil Spandau stürmen jeden Morgen durch die Gartenpforte, um hier zu spielen, zu kommunizieren und zu lernen. Seit Anfang 2018 bietet die Einrichtung ihren aktuell 16 Vorschulkindern auch die Möglichkeit an, mit den Schlaumäusen zu spielen. „Neben einer Kita-App, mit der wir mit den Eltern kommunizieren können, haben wir im Sprachraum eine Ecke mit Tablet eingerichtet, auf dem die Schlaumäuse installiert sind“, sagt Kita-Leiterin Monika Lapinski. „Unsere Sprachförderkraft und Erzieher, die etwas Zeit haben, leiten die Kinder an, wenn sie mit dem Lernspiel spielen möchten.“
Kinder reagieren unterschiedlich auf die Mäuse
Die Beobachtungen, die die Kitamitarbeiterinnen im Umgang mit den Schlaumäusen machen, sind ganz unterschiedlich. „Für einige unserer Vorschulkinder ist das Programm zu schwer oder sie sind extrem vorsichtig im Umgang mit dem Tablet, andere gehen wie selbstverständlich damit um“, sagt Frau Lapinski Besonders zwei Kinder seien kognitiv schon sehr weit und hätten sehr viel Spaß mit der Lern-App. „Meist scharen sich kleinere Gruppen um die Spielenden. Das gemeinsame Spielen und Zuschauen steigert ihr Zusammengehörigkeitsgefühl“, sagt B. 15 Minuten lang darf jedes Kind mit den Schlaumäusen spielen. Manche mögen das Tablet anschließend gar nicht wieder hergeben. „Manchmal ist es schwer, das Tablet wieder einzufordern“, sagt die Kitaleiterin. „Aber die Schlaumäuse stellen bei uns auch eine Art Belohnung dar, deshalb achten wir genau darauf, wie lange ein Kind damit spielt.“

Der Einfluss von zuhause spielt eine große Rolle
Es gäbe auch Kinder in der Gruppe, die sich weigern, sich mit Buchstaben zu beschäftigen. Nicht einmal ihren Namen wollen sie schreiben. „Besonders manche Jungs spielen lieber Fußball statt stillzusitzen“, erzählt Monika Lapinski. Der Grund: Einige von ihnen würden regelmäßig an den

Wochenenden von ihren Eltern vor dem Fernseher oder anderen Medien platziert werden: „Draußen sind sie so gut wie gar nicht. Deshalb haben sie in der Woche einen großen Drang, nach draußen zu gehen und sich zu bewegen statt sich mit Buchstaben zu beschäftigen.“ Die Erzieher verstehen das und lassen die Kinder gewähren. Rund 30 Prozent der Kitakinder stammen aus osteuropäischen Ländern. Dennoch ist der Sprachstand bei 80 Prozent der Kinder so gut, dass sie keinen Förderbedarf haben, sagen die Kitamitarbeiterinnen. „Es kommen auch Kinder ohne jegliche Deutschkenntnisse zu uns. Und je besser ihr Deutsch wird, desto selbstbewusster sind sie“, freut sich Monika Lapinski. Die Schlaumäuse werden auch weiterhin in der Kita Kleiner Fratz angeboten.