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Entscheidet die Herkunft über gute Noten?

Dienstag, 3 Juli, 2018
Stefanie Hoffmann
Meldung
Stimmt es, dass Schülerinnen und Schüler in Deutschland immer schlechter lesen und schreiben können? Welche Rolle spielen der Migrationshintergrund und die soziale Herkunft eines Kindes? Ein wissenschaftlicher Faktencheck des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache hat sich diesen Fragen angenommen.

PISA, IGLU und andere große Bildungsstudien sorgen immer wieder für hitzige Diskussionen über die Qualität des deutschen Bildungssystems. Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln hat alle wichtigen Studien zum Lese- und Schreibniveau von Kindern und Jugendlichen in Deutschland in einem Faktencheck unter die Lupe genommen.
Leseleistung bleibt konstant
Die gute Nachricht zuerst: Die Ergebnisse von z.B. IGLU, PISA und IQB-BildungstrendIQB-Bildungstrend zeigen auf, dass sich die Leseleistungen der gesamten Schülerschaft in Deutschland verbessert haben bzw. konstant geblieben sind. Eine Verschlechterung ergibt sich jedoch im Bereich Rechtschreibung. Dies wird insbesondere durch den aktuellen IQB-Bildungstrend bestätigt. Danach fielen Viertklässler in allen deutschen Bundesländern deutlich zurück.

Soziale Herkunft entscheidender als Migrationshintergrund
Ein weiteres Ergebnis des Faktenchecks: Der Migrationshintergrund und die soziale Herkunft sind zwei einflussreiche Faktoren, die Auswirkungen auf die Lese- und Schreibleistungen haben. Grundsätzlich gilt: Kinder mit ausländischen Wurzeln weisen schwächere Lese- und Schreibleistungen auf als solche, die in Deutschland geboren sind. Allerdings wird das Bildungsdefizit der Kinder mit Zuwanderungsgeschichte kleiner, wenn die sozial-ökonomischen Faktoren aller Familien einer Schulklasse berücksichtigt werden. Das heißt, werden Kinder mit Migrationshintergrund und solche ohne Migrationshintergrund miteinander verglichen, die aus ähnlichen sozialen Verhältnissen stammen, reduziert sich der Leistungsunterschied. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass die soziale Herkunft einen größeren Einfluss hat als der Migrationshintergrund. „Anstatt die Debatte immer wieder auf migrationsbedingte Unterschiede zu lenken, muss der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Lese- und Schreibleistungen verringert werden. Heterogenität im Klassenzimmer hat viele Facetten, darauf müssen wir alle Lehrkräfte vorbereiten“, fordert Prof. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache.

Früh fördern hilft
Der Faktencheck gibt ebenfalls einen Überblick über wissenschaftlich fundierte Fördermöglichkeiten. Die Sprachbildung beginnt nach Auffassung der Experten bereits im Kindergarten: „Sprachliche Bildung beginnt schon im Elementarbereich: Reimen und Silben klatschen beispielsweise bereiten auf das spätere Lesen und Schreiben lernen vor“, erläutert Dr. Simone Jambor-Fahlen, Autorin des Faktenchecks und stellvertretende Abteilungsleiterin am Mercator-Institut. Ein?umfassendes Videointerview mit der Autorin Dr. Simone Jambor-Fahlen zu diesem Thema finden Sie hier.