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Ein P aus Paprika

Dienstag, 20 Februar, 2018
Catrin Krawinkel
Interview
Ob alltagsintegrierte oder gezielte Sprachförderung – Kitas bieten ihren Kindern viele Anreize, um in die deutsche Sprache einzutauchen. Welche Bausteine Lust an der Sprache wecken können und womit die Schlaumäuse-App punktet, beschreibt Medienpädagogin Caroline Borchert in einem Gespräch.

Kinder haben einen natürlichen Impuls, sich mit Sprache auseinanderzusetzen. Das beginnt schon im Mutterleib. Doch bis Worte oder Begriffe im Gehirn eines Kindes haften bleiben, sollten diese etwa fünfzig mal wiederholt werden, lauten die Erfahrungswerte von Wissenschaftlern. Wie man die Lust auf Sprache im Kitaalltag steigern kann, fragten wir Medienpädagogin Caroline Borchert.
Haben alle Kinder grundsätzlich Lust, sich mit Sprache auseinanderzusetzen?
Kinder lernen schnell, dass Sprache und Kommunikation ein Stück Macht bedeutet, durch die sie die Welt beschreiben und verstehen können. Mit dem Lesen und Schreiben lernen verhält es sich ähnlich. In diesem Bereich spielt es eine wichtige Rolle, was ihnen in ihrem Umfeld vorgelebt wird. In der Regel ist die kindliche Neugierde so groß, dass ihnen mit wenig Aufwand Sprache nahegebracht werden kann.

Welche Kinder tun sich schwer mit Sprache?
Bei starkem Desinteresse können unentdeckte körperliche Barrieren wie z.B. Gehörlosigkeit eine Rolle spielen. Und bei fehlendem Interesse am Lesen und Schreiben lernen mangelt es eventuell an positiven Vorbildern oder anderen Störungen, die organischer oder genetischer Natur sind.

Mit welchen Methoden können Erzieher die Freude an Sprache wecken?
Jede Kita entwickelt ihr eigenes Konzept und greift dabei auf Empfehlungen des Bildungsministeriums des jeweiligen Bundeslandes zu sowie auf Literatur und Internet. Darüber hinaus gibt es pädagogische Fachkräfte und Facherzieher zur Sprachförderung. Sie verfügen über jede Menge Ideen und Methoden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen alltagsintegrierter Sprachförderung und gezielten Sprachförderprogrammen für Kinder mit hohen Sprachdefiziten. Bei der alltagsintegrierten Sprachförderung ist Schriftsprache überall in den Kitaräumlichkeiten und im Tagesablauf gegenwärtig.

Können Sie ein paar Beispiele für Sprachspiele nennen?
Sprachspiele haben viel mit Bewegung und dem Tastsinn zu tun. So können Kinder erfühlen, aus wie vielen Ecken z.B. ein A besteht. Dafür werden Buchstaben aus Pappe ausgeschnitten. Man kann aber auch das Thema gesunde Ernährung und Sprachspiel miteinander koppeln und Buchstaben aus Paprika oder Gurke ausschneiden. In diesem Fall müssen die Kinder mit dem Mund die Buchstabenform erfühlen und anschließend das Gemüse benennen. Silben-Hüpfen oder Silben klatschen sind typische Bewegungssprachlernspiele genau wie Buchstaben nachmalen. Lustig ist es auch, alte Computertastaturen zu nutzen, um damit ‚Büro’ zu spielen. Toll, wenn die Ergebnisse auch noch ausgedruckt werden können. Das Schöne: Bei all diesen Spielen wird gleichzeitig die Konzentrationsfähigkeit gestärkt – wie auch bei der Schlaumäuse-App.

Apropos Schlaumäuse-App. Warum eignet sie sich besonders, die Sprachlust zu wecken?
Hierfür sprechen gleich mehrere Punkte: Die Spielwelt und die Figuren orientieren sich an dem, was die Kinder zwischen fünf und neun Jahren als schön empfinden: Das Land der Buchstaben ist fröhlich, bunt und sehr kindgerecht. Dies stellt einen wichtigen Anreiz dar, genau wie die Tatsache, dass es ein digitales Lernspiel ist. Hinzukommt, dass sich die Worte und Übungen auf die Alltagssprache der Kinder beziehen. Die Kinder müssen nicht zwingend verschiedene Schwierigkeitsgrade durchwandern, sondern können selber entscheiden, mit welchem Spiel sie sich beschäftigen wollen. Auch Wiederholungen sind für sie wichtig. Gleichzeitig weist das Programm einen spielerischen und explorativen Charakter auf. Ein ganz wichtiges Argument ist, dass die Schlaumäuse ohne Anleitung von Erziehern gespielt werden können, da die Mäuse den Kindern Feedback und Anweisungen geben und das – wenn gewünscht – in unterschiedlichen Sprachen.

Haben Sie noch einen Tipp für Kitas oder Eltern?
Wenn zu viel Druck bei Vorschulkindern aufgebaut wird, kann sich das negativ auf die Sprachfreude auswirken. Deshalb rate ich, die Kinder nicht mit zu vielen Förderprogrammen zu überfrachten. Kitas sollten zudem sämtliche Sprachförderprojekte und -ideen dokumentieren. Hieraus ergibt sich dann ein tolles und erkenntnisreiches Portfolio.