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Lesen oder nicht lesen?

Samstag, 28 April, 2018
Stefanie Hoffmann
Interview
Die Anzahl von Studien steigt. Von Kita-Kräften wird vorausgesetzt, dass sie sich mit den Ergebnissen auseinandersetzen. Doch lohnt sich das?

Es gibt kaum ein Thema, zu dem es keine wissenschaftliche Studie gibt. Auch von Kita-Kräften wird erwartet, dass sie sich mit wichtigen Untersuchungen und ihren Ergebnissen auseinandersetzen. Irmtrud Lauer, Referatsleiterin Fachberatung Kindertageseinrichtungen vom Caritasverband der Diözese Trier erklärt, worauf es dabei ankommt.
Wie viele Kindertageseinrichtungen beraten Sie?
Unsere Fachberatungen unterstützen und begleiten insgesamt 511 katholische Kindertageseinrichtungen im Bistum Trier.

Was sind Ihre zentralen Aufgaben?
Wir stehen im Bistum Trier Trägern und Kita-Leitungen sowie den Kita-Teams zur Verbesserung ihrer Arbeit mit einem Experten-Team beratend zur Seite.
Dazu gehören die Beratung zur Weiterentwicklung des Qualitätsmanagement auf der Basis des Rahmenleitbildes für katholische Kindertageseinrichtungen im Bistum Trier.

Auch das Angebot von bedarfsgerechten Fortbildungen für die pädagogischen Fachkräfte und das Vermitteln von Supervisionsangeboten sind Angebote im Portfolio der Fachberatungsleitungen.

Nicht zuletzt nehmen wir im Caritasverband für die Diözese Trier e.V. die spitzenverbandliche Arbeit für die katholischen Kindertageseinrichtungen wahr und vertreten die Interessen der Kitas in politischen Zusammenhängen.

Wie reagieren Sie als Verband auf neue Studien? Greifen Sie die Trends auf?
Zu meinen Aufgaben zählt es natürlich auch, die Kollegen auf aktuelle Studien aufmerksam zu machen. Gerade heute Morgen habe ich mich mit zwei Untersuchungen zur Leitungsqualität beschäftigt. Auf Leitungstreffen machen wir außerdem auf relevante Studien aufmerksam. Das gilt auch für Studien, die in Fachzeitschriften aufbereitet und kommentiert werden.

Es werden ständig neue Untersuchungen veröffentlicht. Wie behalten Sie den Überblick?
Die Flut der Studien, die wir erhalten, nimmt seit Jahren stetig zu. Auch die Anzahl der Anfragen zur Teilnahme der Kindertageseinrichtungen an Befragungen, steigt.

Hochschulen und andere Institutionen der Forschung schicken uns automatisch ihre wissenschaftlichen Untersuchungen, die für uns interessant sein könnten, zu.

Woran liegt die große „Untersuchungslust“?
Das Thema Kindertageseinrichtung hat einen hohen gesellschaftlichen und politischen Stellenwert. Aufgrund dessen werden diese auch immer wieder von wissenschaftlichen Instituten aufgegriffen. Das ist auch grundsätzlich gut so und zu befürworten, denn durch Studienergebnisse können wichtige Impulse für die fachliche Weiterentwicklung und politische Initiativen ausgehen.

Haben Kita-Kräfte überhaupt die Zeit, sich mit Studien zu beschäftigen?
Wenig. Die Anforderungen an die Kita-Kräfte werden immer mehr und komplexer.

Qualitätssicherung, Sprachbildung, Zusammenarbeit mit den Eltern, das Thema Inklusion, das sind alles komplexe Anforderungen, die in der Kita pädagogisch konzeptionell initiiert und durchdacht werden müssen. Das ist alles sehr zeitintensiv.

Oft werden in den Untersuchungen Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Können diese Empfehlungen im Kitaalltag umgesetzt werden?
Studien können gut und wichtig sein. Was viele Kita-Kräfte frustriert ist jedoch, dass die Studien zwar zu interessanten Ergebnissen führen, aber diese, aus welchen Gründen auch immer, anschließend nicht weiter konsequent verfolgt werden, weil sie oft einen entsprechenden Ressourceneinsatz nach sich ziehen, der nicht zur Verfügung gestellt wird. Unter dem Strich passiert dann oft gar nichts mehr. Das ist dann nicht sehr motivierend, viel eher frustrierend.

Gibt es eine Studie für Sie, die längst überfällig ist?
Ja! Rheinland-Pfalz steht vor der Novellierung des Kita-Gesetzes. Um die Positionierung zum Thema „Bürokratie und Verwaltungsaufwand in der Leitungstätigkeit in Kitas zu stärken, haben die Diözesen in Rheinland-Pfalz eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben.

Worum geht es in der Untersuchung?
Die Studie zeigt auf, dass Kita-Leitungen immer mehr Zeit für Verwaltungsaufgaben benötigen. Diese haben in den letzten Jahren enorm zugenommen und belasten die Leitungen in den Kitas. Die innerhalb der Arbeitszeit zur Verfügung stehenden Deputate für Leitungstätigkeiten sind unzureichend. Unser Ziel ist es, dass die Kita-Leitungen entsprechende Leitungsdeputate erhalten und die Verwaltungsaufgaben klar bemessen werden und Professionalität brauchen. Mit den fundierten wissenschaftlichen Ergebnissen der Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit Rheinland-Pfalz (IBEB), angesiedelt an der Hochschule Koblenz, durchgeführt wurde, gewinnen die Träger und Leitungen der Kitas die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und Politik. Damit verbinden sie die Hoffnung auf die Verbesserung der Arbeitssituation in den Kitas und auf mehr Zeit für die Kinder.