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Mit den Schlaumäusen wurde eine Welt erschaffen, die die Kinder mit einer fesselnden Geschichte anspricht.

Kita Himmelpforten

Mit dem Computer fürs Leben lernen

Die Kita Himmelpforten bei Stade an der Elbe ist ungewöhnlich: Nicht nur, weil mit Peter Krakow ein Mann die kommunale Einrichtung leitet. Sondern auch, da in jedem der sechs Gruppenräume zwischen bunten Tuschebildern vor Flachbildmonitoren Kinder zwischen vier und sechs Jahren am PC sitzen und knifflige Aufgaben lösen: So sollen aus den drei vorgegebenen Silben „SE-ME-AR“ zwei ein Wort ergeben.
Anja schiebt mit der Maus AR und ME zusammen. Als Belohnung für ihre richtige Lösung rufen vier hin- und herwippende Mäuse „yippee“. „Computer sind als Lern- und Spielgeräte eine unglaubliche Bereicherung“, betont Krakow.
Er will den Kindern bei ihrem Spiel mit den „Kisten“,wie er die hochmodernen PCs nennt, etwas fürs Leben mitgeben: „Die Kinder sollen selbst über ihr Lerntempo und ihre Lerninhalte entscheiden.“ Es sei altmodisch und nicht motivierend, Inhalte, Tempo und die Zeit fürs Lernen vorzuschreiben. Doch für solch eine individuelle Förderung innerhalb der 25 Kinder zählenden Gruppen reichen die jeweils zwei Erzieherinnen nicht aus.

Es gibt aber weit mehr Gründe für den frühen IT-Einsatz: „Wenn wir gleiche Bildungschancen wollen, brauchen wir auch in der Kita Computer“, betont Krakow. Vielen Eltern sei der Computer immer noch fremd, oder sie hätten dafür kein Geld. „Man merkt ganz deutlich, wer zu Hause einen PC stehen hat“, sagt er. Um die Ziele zu verwirklichen, setzt der Kita-Leiter vor allem auf die „Schlaumäuse“-Software. Das Programm wurde für die Microsoft-Bildungsinitiative „Schlaumäuse – Kinder entdecken die Sprache“ entwickelt. „Wir wollen mit der Software die Sprachentwicklung und Medienkompetenz von Kindern fördern und individuelle Lernprozesse ermöglichen“, sagt Swantje Rosenboom, Leiterin Forschung und Lehre bei Microsoft Deutschland. „Die Kinder sind begeistert“, sagt Krakow. „Denn sie stellen fest, dass man auf dem Computer nicht nur herumdaddeln, sondern mit seiner Hilfe auch schlauer werden kann – und das will jedes Kind.“ Die Kita Himmelpforten testete bereits Ende 2005 die „Schlaumäuse“-Software. „Das schlug besser ein als erwartet“, so Krakow.

Gross war deshalb das Interesse an der 2006 erschienenen zweiten „Schlaumäuse“-Version. Diese kann nun grundsätzlich jeder der über 40 000 Kindergärten in Deutschland kostenlos erhalten, nachdem er an einer projektbezogenen Weiterbildung teilgenommen hat. Die neue Schlaumäuse- Software bietet neben einigen Detailverbesserungen jetzt auch ein Betreuertool an. Mit ihm können Erzieher sehen, welche Aufgaben die Kinder bereits mit welchem Ergebnis erledigt haben. Wenn ein Kind in einem Bereich Schwächen zeigt, gibt das Programm Tipps zur Verbesserung.

Doch meist geht das von allein: Den Kindern macht es riesigen Spaß, mit der Maus über Buchstaben und Silben zu fahren, sie dabei so oft zu hören, wie sie es wollen, und sie dann anzuordnen. Auf Hilfe durch Erwachsene sind sie dabei nicht angewiesen. Höchstens bei den ersten Klicks brauchen die Kinder noch Unterstützung. Meist aber genügen kurze Tipps anderer Kinder. Dieses „selbstbestimmte Lernen“ ist für Krakow eines der wichtigsten Erziehungsziele. „Häufig lassen Eltern ihren Kindern dazu keine Möglichkeit, weil sie sich ihnen zu stark widmen“, hat er beobachtet.

Das freie Lernen verführt nicht zur Abhängigkeit: „Kein Kind sitzt ständig vor dem Computer. Spätestens nach einer halben Stunde melden die Kleinen sich wieder ab und spielen im Sandkasten oder mit den Bauklötzen weiter“, sagt Krakow. „Und bei schönem Wetter steht der Computer oft unbenutzt herum.“ Die Kita setzt Computer aber auch zur Kommunikation ein. Jeder Rechner hat eine Webcam, Lautsprecher und einen DSL-Anschluss. So können auf Tastendruck die Partnerkindergärten in Lappland und Nordirland auf dem Bildschirm erscheinen. Mit ihnen besteht schon seit Herbst 2005 Kontakt. Damals beteiligte sich die Kita Himmelpforten am EU-Bildungsprojekt „Sokrates“

Thema des EU-Projektes war „Ein Kontinent – verschiedene Klimazonen“. Deshalb tauschten die Niedersachsen mit ihren Freunden nahe des Polarkreises und auf der Grünen Insel Wetterdaten aus. „Wir haben auch häufig über Liveschaltungen Theaterstücke vorgespielt oder auf Englisch und Schwedisch gezählt“, so Krakow. „Die Kinder finden es toll, dass Gleichaltrige aus anderen Ländern ihre Wörter aus dem Englischunterricht verstehen.“ Wenn die Vokabeln fehlten, führte die lappländische Freundin aus dem schwedischen Blattnicksele als Wetterbeitrag auch mal ihren dicken Pulli vor, oder man grüßte den irischen Kumpel aus Colairen mit einem „Hello“.

„Die Kinder lernen, dass Medien zu unserem Leben gehören und dass sie sie zum Lernen und vor allem zur Kommunikation einsetzen können“, sagt der Kita-Leiter. Deshalb gewann die Himmelpfortner Kita auch den Medienkompetenz- Wettbewerb des Landes Niedersachsen: Im Herbst 2006 erhielt sie den mit 12 000 Euro dotierten ersten Preis. Mit dem Geld kaufte Krakow Computerhardware. „Die IT-Ausrüstung der Kita ist nun moderner als die der Unternehmen im Dorf“, sagt Michael Cordes, Geschäftsführer der Cordes IT Lösungen in Himmelpforten. Cordes unterstützt seit Jahren ehrenamtlich den Kindergarten. „Geldprobleme haben wir nicht“, sagt Krakow. „Das Geld liegt auf der Straße – man muss nur wissen, woher man es holt.“

Krakow verfolgt sein Ziel des sinnvollen Umgangs mit der IT seit Anfang der Neunzigerjahre. Damals stellte er PCs mit 286er-Prozessoren in den 1972 gegründeten Kindergarten – „ausgediente Rechner der benachbarten DASA“. Als sich der Kindergarten am EU-Bildungsprojekt „Sokrates“ beteiligte, erhielt er ausgemusterte Rechner aus hannoverschen Ministerien. Nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Erziehern hat der PC-Einsatz für einen „riesigen Bildungsschub“ gesorgt: „Plötzlich ging es nicht nur um eingenässte Hosen, sondern darum, wie ich das JPG-Bildformat in eine BMP-Datei umwandle, wie ich mit Microsoft Messenger umgehe oder eine Präsentation erstelle“, sagt Krakow. Er will die Arbeit mit den Medien verstärken. In wenigen Wochen sollen die Gruppen ihre neuesten Projekte in Kurzfilmen auf einem Netzwerkbildschirm am Eingang präsentieren – eine Art „Tagesschau“ der Kita Himmelpforten.

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