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Wer nicht gut in der Sprache des Landes zu Hause ist, bleibt Zaungast.

Prof. Dr. Maria Böhmer

Sprache lernen mit den Schlaumäusen

Am offiziellen Start der neuen Schlaumäuse-Version nahm auch Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer teil.

In einem ausführlichen Gespräch erklärt die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, warum Kinder schon früh an die deutsche Sprache herangeführt werden sollten und wie hilfreich die Schlaumäuse hierbei sind.
Warum ist es wichtig, Sprachförderung bereits im Kindergarten anzubieten?
Die Beherrschung der deutschen Sprache ist die Grundvoraussetzung für Integration. Wer nicht gut in der Sprache des Landes zu Hause ist, bleibt Zaungast. Deshalb lege ich großen Wert auf die Sprachförderung. Sie muss schon im Vorschulalter beginnen, denn hier werden die Grundlagen gelegt. Ich habe viele Kindergärten besucht und gesehen, mit wie viel Begeisterung die Kinder Deutsch lernen wollen und auch lernen. Es ist wichtig, dass die Kinder beim Eintritt in die Grundschule so gut Deutsch sprechen, dass sie dem Unterricht folgen können. Nur dann haben sie gute Chancen auf eine gute Bildung und Ausbildung. Frühe Sprachförderung ist übrigens nicht nur ein Thema für Kinder aus Zuwandererfamilien. Auch manche Kinder aus deutschen Familien haben noch Nachholbedarf.

Sie haben zahlreiche Kitas mit den Schlaumäusen ausgestattet. Welchen Eindruck hatten Sie vom praktischen Umgang mit der Lernsoftware?
Ich habe immer wieder erlebt, wie intuitiv die Kinder mit der Software umgehen. Sie sind fasziniert von den Geschichten rund um die Schlaumäuse und spielen mit großer Leidenschaft. Auch bei meinen Gesprächen mit Erzieherinnen habe ich festgestellt, wie wertvoll dieser spielerische Zugang zur Sprache ist. Die Kinder lernen außerdem schon früh den richtigen Umgang mit dem Computer.

Neben der Verbesserung der Sprachkompetenz fördert die Initiative auch das soziale Miteinander der Kinder. Wie wichtig ist ein Gemeinschaftserlebnis, das z.B. die Schlaumäuse auslösen?
Die Software lädt geradezu ein, im Team miteinander zu spielen, Wörterrätsel zu lösen oder Buchstaben zu finden. Die Kinder erleben einen gemeinsamen Erfolg und lernen voneinander - das halte ich für ausgesprochen wichtig.

Mit der neuen Version können auch Eltern einen kostenlosen Zugang zu den Schlaumäusen erhalten. Wie schätzen Sie den Nutzen dieses Angebots ein?
Das ist eine Neuerung, die ich sehr begrüße. Die Eltern haben damit die Möglichkeit, die Fortschritte und Lernerfolge ihrer Kinder zu begleiten, sie zu fördern und zu bestärken. Wenn Eltern und Kinder gemeinsam mit den Schlaumäusen arbeiten und damit vielleicht sogar gemeinsam Deutsch lernen, dann ist das ein großer Vorteil.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus den aktuellen Bildungs- und Integrationsberichten und welchen Handlungsbedarf sehen Sie?
Auf den Großbaustellen der Integration, den Bereichen Sprache, Bildung und Ausbildung sowie Arbeitsmarkt sind wir in den vergangenen Jahren deutlich vorangekommen. Das ist großer Ansporn, die Anstrengungen für bessere Teilhabechancen von Migranten zu intensivieren. Besonders wichtig ist der frühe Spracherwerb: Mittlerweile gibt es nahezu flächendeckend in allen Bundesländern gezielte Sprachförderung im Kindergarten. Um dies zu unterstützen, stellt die Bundesregierung mit der „Offensive Frühe Chancen“ 400 Millionen Euro für den Ausbau der Sprachförderung in 4000 Schwerpunkt-Kitas zur Verfügung.

Erfreulich sind Fortschritte bei der Bildung: Immer mehr jungen Migrantinnen und Migranten gelingt ein mittlerer oder höherer Schulabschluss. So ist der Anteil der ausländischen Schülerinnen und Schüler, die die Schule mit einer (Fach-) Hochschulreife verlassen, von 2005 bis 2010 um insgesamt 36 Prozent gestiegen. Allerdings ist die Quote der Schulabbrecher bei ausländischen Jugendlichen nach wie vor etwa doppelt so hoch wie bei jungen Deutschen. Aus diesem Grund muss die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern aus Zuwandererfamilien in den Schulen weiter vorangetrieben werden. Auch beim Übergang von der Schule in den Beruf sind weitere Kraftanstrengungen nötig. Zwar hat sich die Ausbildungsbeteiligungsquote bei ausländischen Jugendlichen leicht erhöht: Der Unterschied zur Ausbildungssituation von deutschen Jugendlichen ist noch gewaltig. Um diese Schere zu schließen, ist die Förderung von jungen Migranten seit 2010 Schwerpunkt des Nationalen Ausbildungspaktes von Politik und Wirtschaft. Als Mitglied des Paktes führe ich jährliche Ausbildungs- und Elternkonferenzen durch. Ziel ist vor allem, die Rolle der Eltern bei der Berufsorientierung ihrer Kinder zu stärken.