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Alle Entwicklungsprozesse eines Kindes wurzeln in den Bildungsprozessen der frühen Kindheit.

Expertenmeinung

Im Gespräch mit Herrn Prof. Dr. Gerd Mannhaupt

Was hat dazu geführt, dass die Universität Erfurt sich mit Microsoft zusammengetan hat, um das Forschungsgebiet zur Nutzung des Computers für sprachliches Lernen zu unterstützen?
Mit der Umstellung des Lehramtsstudiums von Staatsexamen- auf Bachelor- und Masterstudiengänge hat die Universität Erfurt auch den Fokus der Ausbildung auf den Vorschulbereich und den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule erweitert. Insbesondere beim sprachlichen Lernen wissen wir aus der internationalen Forschung, dass Kinder, die mit ausreichend ausgebildeten Lernvoraussetzungen an den Schulstart gehen, eine sehr viel größere Chance auf eine erfolgreiche Schulzeit haben.
Die Forschung am Lehrstuhl für Grundlegung Deutsch in der Grundschule trägt dieser Erkenntnis seit langer Zeit Rechnung, indem sie auf die Erfassung und Förderung der Voraussetzungen für erfolgreiches Lesen- und Schreiben lernen ausgerichtet ist. Das Angebot von Microsoft, ein computergestütztes Lernangebot für exakt diesen Bereich kindlicher Entwicklung mit zu gestalten, kommt uns sehr entgegen, weil wir so unsere Forschungsaktivitäten um eine wichtige und zukunftsweisende Facette erweitern können.

Wie wichtig ist die Einbeziehung neuer Medien im Vorschulbereich?
An sich bin ich ein konservativer Vertreter der Nutzung neuer Medien, gerade bei Angeboten kindlicher Bildung. Medien sind Werkzeuge menschlichen Handelns. Sie erweitern unsere Möglichkeiten enorm sowohl im Hinblick auf den Umfang der Informationen als auch in der Tiefe und Geschwindigkeit, in der wir Sie verarbeiten können. Neue Medien erlauben uns auch vollkommen neue Zugriffe auf Realität und gewähren uns nie dagewesene Einsichten. Dies erfordert von uns Nutzern stärker abstraktes Denken und von der unmittelbaren Realität gelöste Analyse über die hinter diesen Darstellungsmöglichkeiten liegenden Zusammenhänge. Vorschul- und Grundschulkinder lernen dagegen durch die direkte und konkrete Auseinandersetzung mit der Realität, sie müssen Sie im wahrsten Sinne des Wortes "begreifen".

Neue Medien können meiner Ansicht nach dann im Vorschulbereich eingesetzt werden, wenn sie dieser entwicklungspsychologischen Anforderung gerecht werden. Mit den neuen Möglichkeiten der interaktiven Steuerung durch z. B. die Finger oder auch Körperbewegungen und der mündlichen Sprachausgabe eröffnet sich hier ein breites und zukunftsweisendes Anwendungsspektrum, wenn die hinter der Software liegenden Grundlagen fachlich und didaktisch auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Diskussion sind.

Welche Mehrwerte entstehen dadurch im Sprachlernbereich?
Der Umgang mit Sprache ist im Prinzip abstraktes Denken. Auch wenn wir dies im Alltag nicht mehr wahrnehmen, gehen wir mit Symbolen in hochkomplexen mit einander vernetzten Kombinationen und Reihungen um. Jeder Satz ist eine Äußerung von miteinander verwobenen Symbolen. Auch Kinder im Vorschulalter meistern diese Aufgabe intuitiv und in den meisten Fällen phänomenal sicher. Sie entschlüsseln die sprachlichen Botschaften mühelos, vor allem dann, wenn sie in die Situation gebunden sind, in der sie sich gerade befinden. Vorschulkinder können aber noch etwas mehr. Sie verstehen es, in Ansätzen auch mit den formalen Aspekten der Sprache umzugehen.

Sie können reimen, Wörter in Silben teilen und sie auf lautliche Ähnlichkeiten hin prüfen. Aber, das wissen wir aus unserer Forschung, nicht alle Kinder im Übergang vom Kindergarten in die Grundschule beherrschen diese sprachlichen Anforderungen so, dass sie darauf in ihrem schulischen Lernen aufbauen können. Ihnen fehlen die notwendigen Lernvoraussetzungen. Hier können mit Hilfe der neuen Medien im Vorschulbereich neue, umfangreichere und intensive Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen werden. Mit täglich wenig Aufwand, aber regelmäßiger und hoch motivierter sprachlicher Übung können diese Kinder aufholen. Dafür lassen sich mit den neuen Medien Lernumgebungen gestalten, die die Kinder ansprechen und im positiven Sinn gefangen nehmen, indem sie einen die Kinder aktivierenden Rahmen schaffen, in dem Ansprache stattfindet. Die Kinder hören also zu. Neue Medien erlauben es darüber hinaus, den Kindern eine Lernumgebung bereit zu stellen, die vielen Erfordernissen an erfolgreiches Lernens genügt.

So kann bei didaktisch sinnvoller Planung das Lernangebot sehr eng an die Lernentwicklung des Kindes angepasst werden. In ihren Schwierigkeiten und Anforderungen gestufte Aufgaben können sehr viel besser als in herkömmlichen Lernsettings das Anforderungsniveau so aufrecht erhalten, dass die Kinder weder unterfordert noch überfordert werden. Das wirkt sich sowohl positiv auf das Lernergebnis als auch auf die Lernmotivation aus. Die Lernsoftware hat eine unendliche Geduld, wenn Kinder probierend und entdeckend lernen. Sie können viele Vorversuche wagen und eingeben und sich so allmählich der richtigen Lösung annähern. Die Lernsoftware tadelt nicht, sondern ermutigt zu weiteren Versuchen bis die Lösung gefunden ist, die dann sofort positiv bestätigt wird. Diese Ruckmeldung kann sehr differenziert erfolgen und wird konsequent auf den Inhalt bezogen und nicht auf die Person. Auch dieses Prinzip unterstützt anhaltende Lernmotivation und nachhaltige Lernergebnisse. Agieren die Kinder nicht allein in der Lernumgebung, sondern zu zweit oder dritt, werden auch soziale Kompetenzen gefordert und unterstützt.

Welche Kinder profitieren insbesondere von der Schlaumäuse-Lernsoftware?
In meiner Forschung lagen mir immer die Kinder am Herzen, die zusätzlich zu den Anforderungen und Angeboten im Mainstream weiterer Unterstützung bedurften. Sie sehe ich als besondere Zielgruppe an. Dabei ist unerheblich, mit welcher Muttersprache die Kinder aufgewachsen sind. Mit wohl dosierten Angeboten besonderen und medial unterstützten Lernens kommt die Schlaumäuse-Software ihren Bedürfnissen nach ergänzenden Entwicklungsmöglichkeiten besonders entgegen. Sie bekommen zusätzliche Lernzeit, die es ihnen ermöglicht, insbesondere ihre Voraussetzungen für erfolgreiches sprachliches und schriftsprachliches Lernen in der Schulzeit zu vervollkommnen. Durch das reichhaltige Angebot an Aufgaben in der Schlaumäuse-Lernumgebung können aber auch alle anderen Kinder ihre sprachlichen und schriftsprachlichen Kompetenzen erweitern. Auch sie finden ein ihren Lernmöglichkeiten angepasstes Angebot. Die hohe Anpassungsfähigkeit der Software macht die Schlaumäuse so zu einem willkommenen Entwicklungsimpuls für viele Vorschulkinder.

Weiterführende Informationen

Uni Erfurt
Homepage des Fachbereiches Grundlegung Deutsch/Schriftspracherwerb/Kinderliteratur.
[uni-erfurt.de/ | 05.11.2012 | 14:47]