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Bestnoten für Schleswig Holstein

Dienstag, 10 Januar, 2017
Stefanie Hoffmann
Interview
Schleswig-Holsteins Neuntklässler gehören in Deutsch und Englisch zu den besten in Deutschland. Dies geht aus dem „IQB-Bildungstrend 2015“ hervor, den die Kultusministerkonferenz am 28.10. in Berlin präsentierte. Ministerin für Schule und Berufsbildung Britta Ernst erläutert die Hintergründe des Bildungserfolgs.

Ich bin schon davon ausgegangen, dass wir uns nicht verschlechtert haben. Trotzdem bin ich voller Spannung auf die Ergebnisse zur Veröffentlichung nach Berlin gefahren. Natürlich hat man immer hohe Erwartungen - dass es aber so gut für Schleswig-Holstein aussieht, das mag man nicht einmal hoffen. In der Bildungspolitik dauert es lange, bis man nach guten Weichenstellungen zu positiven Veränderungen kommt. Das aktuelle schleswig-holsteinische Abschneiden ist wirklich sehr beeindruckend.
Was macht das Bildungssystem in Ihrem Bundesland so erfolgreich? Haben die
Lehrer ein besonderes „Geheimrezept“?

Wir haben sehr engagierte Lehrkräfte in Schleswig-Holstein. Fast 90 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer nutzen regelmäßig die Fortbildungsangebote. Dabei werden insbesondere die Angebote für Fachdidaktik gut angenommen. Ich denke, dieses Engagement trägt auch zum guten Ergebnis für unser Land bei.

Vor rund sechs Jahren schnitten die Schüler aus Schleswig-Holstein vor allem in Deutsch noch deutlich schlechter ab. Was hat sich seitdem verändert?
Seit den ersten PISA-Ergebnissen hat sich in Schleswig-Holstein viel verändert. Wir haben mittlerweile ein etabliertes zweisäuliges Schulsystem, in dem die individuelle Förderung und Fokussierung auf guten Unterricht eine besonders wichtige Rolle spielt. So können alle Kinder ihre Potenziale besser nutzen. Parallel haben wir mit den Bildungsstandards, zentralen Abschlüssen, VERA-Testungen und der Entwicklung neuer Fachanforderungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich an der Verbesserung der Unterrichtsqualität gearbeitet und werden das weiter tun.

Was unternehmen Schulen in Schleswig-Holstein, um Schülern zu helfen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben? Gibt es hier besondere Unterstützungsangebote?
Ein besonders wertvoller Baustein auf dem Weg ist unser Programm Niemanden zurücklassen mit dem Baustein Lesen macht stark. Das ist eine gezielte Leseförderung, mit der wir seit zehn Jahren arbeiten und mit der wir mittlerweile 77.000 Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I erreicht haben. Im Ländervergleich haben wir uns ja besonders im Fach Deutsch sehr gut entwickelt, wir sind daher überzeugt, dass dieses Programm ein entscheidender Punkt war.

An Schleswig-Holsteins Schulen sind auch rund 600 Lesecoaches im Einsatz. Was hat es mit dieser Maßnahme auf sich und wie ist die Resonanz darauf?
Ja, unsere Lesecoaches sind im ganzen Land unterwegs. Wir haben sie gezielt ausgebildet, damit sie an den Gemeinschaftsschulen schwache Schülerinnen und Schüler fördern und unterstützen. Die Lesecoaches sorgen dafür, dass die Leseförderung nachhaltig im Schulalltag verankert wird.

Sind in den kommenden Jahren noch weitere Maßnahmen geplant, um die Bildung an Ihren Schulen noch weiter zu verbessern?
In diesem Jahr hat das Programm Niemanden zurücklassen eine weitere Säule bekommen: Wir haben einen Basistrainer Mathematik, Deutsch und Englisch zur Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf herausgegeben. Dieser Basistrainer bietet Unterrichtsmaterial, das so konzipiert ist, dass auch leistungsschwache Schülerinnen und Schüler, die trotz einer mehrjährigen Schulbildung die Basiskompetenzen in diesen Fächern nicht erreicht haben, wieder Anschluss finden können. Außerdem ist die Qualitätsentwicklung an unseren Schulen ein Schwerpunkt unserer Arbeit und darauf werden wir uns auch weiter konzentrieren.

Die Bildungsinitiative „Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache“ unterstützt Vorschulkinder spielerisch beim Schriftspracherwerb. Wie wichtig ist eine frühzeitige Sprachförderung?
Sprache ist eine wichtige Schlüsselkompetenz und Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn, aber auch für die Integration von Kindern mit Flucht- oder Migrationshintergrund. Insofern kann Sprachförderung gar nicht früh genug anfangen.

Arbeiten Kitas und Grundschulen in Schleswig-Holstein eng miteinander zusammen, so dass Kindern mit Sprachdefiziten bei Eintritt in die Grundschule rechtzeitig geholfen werden kann?
Das Integrative Sprachförderkonzept Schleswig-Holstein berücksichtigt nicht nur die unterschiedlichen Schwerpunkte von der Sprachbildung bis hin zur Sprachheilförderung, sondern verknüpft auch die Arbeit der beteiligten Institutionen und Personen zu einem Netzwerk. Alle Förderelemente wurden in ein erweitertes Gesamtsystem integriert. Es trennt nicht nach Zuständigkeiten, sondern begreift die Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen als Ganzes. Bei der vorschulischen Sprachbildung handelt es sich um ein integratives Förderkonzept. Das heißt, die Sprachbildung findet in erster Linie im täglichen Gruppengeschehen in der Kindertageseinrichtung statt. Kinder, deren Sprachfähigkeiten altersgemäß entwickelt sind, erhalten so Anregungen für ihre weitere Entwicklung. Kinder, die sprachliche Ausdrucksschwächen haben und zum Beispiel nicht gewohnt sind, Sätze zu bilden, sollen gezielt Übungen angeboten werden.

Weiterführende Informationen

Bildungsministerin Britta Erns