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Ein SmiLe für die Schlaumäuse

Donnerstag, 11 Mai, 2017
Catrin Krawinkel
Aus der Praxis
An der KGS Mechernich unterstützen Sprachpaten Flüchtlingskinder außerhalb des Unterrichts. Dazu setzen sie u.a. die Schlaumäuse ein, was allen Beteiligten viel Spaß bringt. Hannah Müller, eine der Sprachpatinnen, berichtet von ihren Erfahrungen mit der Lern-App.

Hannah Müller lernte während ihres Praktikums an der KGS Mechernich die Schlaumäuse kennen. Wie die Grundschule die App bei einem ihrer außerschulischen Projekte einsetzt, erzählt die Lehramtsstudentin in einem Interview.
Was ist das SmiLe-Projekt?
SmiLe-Paten sind ehrenamtliche Sprachpaten für Kinder. Sie unterstützen Kinder ohne oder mit nur geringen Sprachkenntnissen außerhalb des Unterrichts im Erlernen der deutschen Sprache und stellen gleichzeitig auch einen sehr wichtigen sozialen Kontakt für sie dar.

Setzen alle Sprachpaten die Schlaumäuse ein?
interessierten SmiLe-Paten, das sind vor allem Oberstufen-Schüler und zwei ältere Sprachpaten, sukzessive in den Umgang mit dem Lingo-Tablet und der Schlaumäuse-App eingewiesen. Die Begeisterung ist groß, sowohl bei denjenigen SmiLe-Paten, die bereits die neuen Medien einsetzen, als auch bei den Kindern, die in dessen Genuss kommen!

Was erwarten Sie sich neben dem Lerneffekt noch von den Schlaumäusen?
Es ist davon auszugehen, dass wir durch diese Verzahnung zum einen weitere, vor allem jüngere SmiLe-Paten gewinnen können und zum anderen die Qualität der Sprachförderung und damit einhergehend die Integration der (Flüchtlings-) Kinder verbessert wird.

Setzen die Sprachpaten die Schlaumäuse jeweils bei einem Kind allein ein?
Erste Beobachtungen zeigen, dass sich dieses Lernarrangement auch für Kleingruppen mit drei bis vier Kindern anbietet, da durch die neuen Medien die Interaktion untereinander begünstigt wird. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch unsere Beobachtungen bzgl. der Gruppenzusammensetzung: Heterogene Gruppen mit Kindern, die bereits über gute Deutschkenntnisse verfügen, inspirieren, unterstützen und fördern sich gegenseitig und das Ganze in lockerer, spielerischer Atmosphäre!

Welche Vorteile sehen Sie noch für Kleingruppen?
Das fördert zusätzlich die Kommunikation der Kinder untereinander. Sie reden dann viel ungenierter Deutsch miteinander, selbst wenn die beteiligten Spieler noch nicht perfekt sprechen.

Wie viele Flüchtlingskinder sind aktuell an der KGS Mechernich?
Es sind rund 45 Flüchtlingskinder.

Welchen Wissensstand haben sie?
Das ist sehr unterschiedlich, aber die meisten Kinder sind sehr lern- und wissbegierig. Sie verstehen die deutsche Sprache inzwischen größtenteils und sprechen auch schon recht gut. Man merkt jedoch oft, dass die Kinder noch einige Probleme damit haben sich auszudrücken, was ihnen dann deutlich unangenehm ist.

Können die Schlaumäuse hier helfen?
Diese Problematik entsteht bei der App nicht direkt, wodurch die Kinder ganz zwanglos auf die Aufgaben zugehen.

Wie leicht ist es für die Kinder, die deutsche Sprache zu erlernen?
Man glaubt gar nicht, wie schnell die Kinder die deutsche Sprache lernen, sie nehmen unglaublich viele Wörter aus dem Sprachgebrauch ihrer Mitschüler und Lehrer auf - zukünftig sicherlich auch aus der Schlaumäuse-App.

Welche Erfahrungen haben Sie sonst mit den Schlaumäusen gemacht?
Ich habe überwiegend positive Erfahrungen mit den Schlaumäusen gemacht. Die Kinder haben Spaß beim Spielen mit der App! Hinzu kommt ihre Begeisterung und Neugierde für das neue Medium. Das ist wie ein Selbstläufer.

Nutzen die Kinder die Mehrsprachigkeit des Lernprogramms?
Ja, ein paar der Flüchtlingskinder sprechen fließend Arabisch und freuten sich riesig, die App auf Arabisch zu testen. Ein Mädchen strahlte mich an und meinte: ‚Die sprechen meine Sprache!’ Dieser Wiedererkennungseffekt war auch bei den arabischen Schriftzeichen auf der Tastatur zu beobachten. Für die Flüchtlingskinder ist dies, bei all dem Fremdem und Unbekanntem, sehr motivierend.

Können sie selbstständig damit spielen oder bedarf es vieler Erklärungen von den Sprachpaten?
Ältere Kinder können großteils selbständig spielen, jüngere und Flüchtlingskinder brauchen jedoch noch einige Unterstützung und Hilfestellungen.

Wie oft spielen die Kinder mit den Schlaumäusen?
Aktuell spielen die Kinder noch nicht regelmäßig mit den Schlaumäusen, da bis jetzt erst vier SmiLe-Paten in App/Tablet eingewiesen wurden. Zukünftig sollen aber alle interessierten SmiLe-Paten ein Tablet zur Verfügung gestellt bekommen, um es nach Bedarf einsetzen zu können. Darüber hinaus wird die Schlaumäuse-App an über 30 Arbeitsplätzen in der Schule sowie im Rahmen der Offenen Ganztagsschule zur Verfügung stehen. Die Klassen 1/2 werden nach Einführung der Schlaumäuse-App im PC-Raum einen Zugangs-Code für Zuhause erhalten - in Verbindung mit einem Begleitschreiben an die Eltern.

Sehen Sie die Schlaumäuse als Baustein an, um den Kindern den Weg in die Sprache zu erleichtern?
Das denke ich durchaus! Gerade für die Flüchtlingskinder könnte die App jedoch noch die eine oder andere Hilfe anbieten, was die Erklärung der Bedienbarkeit anbelangt. Sie stellt auf jeden Fall eine abwechslungsreiche und motivierende Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache dar.

Bleiben Sie dem Projekt auch nach Ihrem Praktikum weiter erhalten?
Demnächst werde ich selbst eine Sprachpatenschaft für einen Flüchtlingsjungen übernehmen, mit dem ich die App während des Praktikums bereits mehrfach genutzt habe.

Wie hat der Junge darauf reagiert?
Der achtjährige Nichane fand es großartig, wenn die Mäuse Lette und Lingo mit ihm gesprochen haben. Er wollte gar nicht mehr mit dem Spielen aufhören, weil er sich so sehr über ihr Lob und die Sterne freute, die ihn zum Weitermachen animierten.

Weiterführende Informationen

Lingo-Tablet