Spannende Untersuchung

Freitag, 2 Oktober, 2015
Stefanie Hoffmann
Aktuelles
Frei oder angeleitet mit den Schlaumäusen spielend lernen? Dieser Forschungsfrage sind Anne Bergmann und Juliane Kluge nachgegangen. Fünf Monate lang haben sie die Kinder an der Grundschule Roter Berg in Erfurt im Schlaumäuse-Unterricht begleitet. Was sie im Rahmen ihrer Forschungsarbeit herausgefunden haben, erklären die Pädagoginnen in einem Interview.

Warum haben Sie sich in Ihrer Masterarbeit mit den Schlaumäusen befasst?
In unserer Bachelorarbeit haben wir uns bereits intensiv mit neuen Bildungsmedien im Übergang von der Kita zur Grundschule beschäftigt und einen Unterrichtsentwurf am Beispiel der Schlaumäuse-Lernsoftware gestaltet. Diese theoretischen Kenntnisse wollten wir in unserer Masterarbeit praktisch anwenden.
Was war das Ziel Ihrer Forschungsarbeit?
Wir wollten wissenschaftlich untersuchen, wie Kinder mit der Schlaumäusesoftware arbeiten und welcher didaktisch-pädagogische Rahmen bei der Arbeit mit diesem Lernprogramm nötig ist, um es effektiv in den Schulalltag integrieren zu können.

Über welchen Zeitraum erstreckte sich die Untersuchung?
Für unser Projekt haben wir fünf Monate lang zwei erste und zwei zweite Klassen der Erfurter Grundschule am Roten Berg begleitet und dort die wöchentliche Computerstunde gestaltet.

Wie haben Sie sich auf den Unterricht vorbereitet?
Um den aktuellen Lernstand der Kinder im Fach Deutsch zu ermitteln, haben wir zunächst quantitative Daten anhand von standardisierten Testverfahren erhoben. In dieser Datenerhebung wurden alle 99 Kinder der vier betreuten Klassen untersucht. Die Untersuchung ergab, dass die Kinder im allgemeinen sehr aufgeweckt und freundlich waren, allerdings oft unkonzentriert. Dabei spielten vor allem Aspekte wie Überalterung mancher Kinder, zusätzlicher Förderbedarf im Fach Deutsch sowie Deutsch als Zweitsprache eine entscheidende Rolle. Wobei der zuletzt angesprochene Gesichtspunkt nur auf sehr wenige Schüler zutraf.

Wie gingen Sie danach vor?
Für den Untersuchungs- bzw. Unterrichtsaufbau sind anschließend zwei Gruppen gebildet worden, in denen jeweils eine Klasse pro Klassenstufe frei arbeiten konnte, während die anderen Klassen mit einer pädagogisch-didaktischen Rahmung angeleitet wurden.

Wie wurden die Kinder in den beiden Testgruppen an die Schlaumäuse herangeführt?
Die Kinder der Gruppe 1 wurden mit einer von uns gestalteten pädagogisch-didaktischen Rahmung angeleitet, bevor sie das Gelernte mit Hilfe eines Aufgabenplans üben sollten. Währenddessen konnten die Kinder der Gruppe 2 in ihrer 20-minütigen Computerzeit frei arbeiten und wurden während der computerfreien Zeit mit nicht-sprachfördernden Aufgaben, wie beispielsweise Malen, beschäftigt.

Das heißt, die Kinder der Gruppe 1 wurden beim Umgang mit den Schlaumäusen intensiv angeleitet?
Die pädagogisch-didaktische Begleitung bestand aus zwei Teilen. Zunächst wurden Übungen außerhalb des Computerraumes angeboten, die sich an die Spielwelten der Schlaumäuse anlehnten. Dabei wurde großer Wert auf eine spielerische und psychomotorische Ausrichtung des Stoffinhalts gelegt. Aufbauend auf diesem Vorwissen aus den Übungen sollten die Spielwelten der Schlaumäuse anschließend selbstständig am Computer ausprobiert werden.

Welchen Lernerfolg haben die Kinder erzielt?
In Bezug auf die Lernprozesse der Schüler lässt sich herausstellen, dass die angeleitete Gruppe deutlichere Erfolge erzielt hat, als die Kinder der frei arbeitenden Gruppe.

Was ist der Grund dafür?
Erklärungen dazu lassen sich in erster Linie in der unterschiedlichen Betreuung beider Gruppen festmachen. Im Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahren ist zu lesen, dass es beim Lernen und Spielen um Beziehungen und primäre Erfahrungen geht, die sich aufbauen und auf die zurückgegriffen werden kann. Genau diese im Bildungsplan angesprochenen primären Erfahrungen fehlten den frei arbeitenden Kindern.

Die Kinder, die keine Anleitung haben, sind somit anders mit der Sprachlernsoftware umgegangen?
Der Arbeitsweg war diesen Kindern nicht klar, weil ihnen das Ziel nicht bewusst gemacht wurde. Für die Frage, was im Lernprozess mit der Schlaumäusesoftware überhaupt alles möglich ist, waren die bisher erworbenen Basiskompetenzen der Kinder noch nicht ausreichend und daher griffen sie auf bisherige Gewohnheiten zurück. Aufgrund der zum Teil sehr geringen Grundfertigkeiten im sprachlichen Bereich wählten besonders die Kinder, deren Förderung am dringendsten ist, den Weg des geringsten Widerstandes. Diese Gewohnheiten können ohne die Unterstützung primärer Erfahrungen nicht positiv weiterentwickelt werden und so auf die Lerngeschichte dieser Kinder einwirken.

Für welche Kinder sind die Schlaumäuse besonders geeignet?
Mit unsere Arbeit wollten wir keinesfalls den Kreis der Kinder eingrenzen, die die
Schlaumäuse nutzen sollen. Wir wollten lediglich aufzeigen, dass es Kinder gibt, die aufgrund ihrer Kompetenzen nicht selbstständig mit den Schlaumäusen lernen sollten. Diese Kinder brauchen einen Leitfaden, um das Potenzial der Lernsoftware für sich nutzen zu können.