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Montag, 18 September, 2017
Stefanie Hoffmann
Aktuelles
Wie beurteilen Kinder ihre Kita? Das Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (DESI) hat Vier- bis Sechsjährige befragt.

Die Studie „Kita-Qualität aus Kindersicht“ geht neue Wege: Im Fokus der Untersuchung stehen keine erwachsenen Teilnehmer. Hier kommen Kinder zu Wort! Um herauszufinden, was für sie eine gute Kita ausmacht, wurden Mädchen und Jungen im Auftrag der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung befragt.
Ich sehe etwas, was du nicht siehst: Kinder erleben ihre Welt mit eigenen Augen und haben daher oft eine ganz andere Sichtweise und Wahrnehmung als wir Erwachsenen. Deshalb können auch sie genau beurteilen, was für sie eine gute Kita ausmacht. Das belegt die aktuelle Studie „Kita-Qualität aus Kindersicht“, die im Auftrag der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung durchgeführt wurde. Ein Wissenschaftsteam begleitete dafür Mädchen und Jungen aus sechs verschiedenen Kita-Einrichtungen.

Kinder führten durch die Kita
Das Besondere an der Studie: Statt auf standardisierte Untersuchungsverfahren zurückzugreifen, kam eine Auswahl innovativer Forschungsmethoden zum Einsatz, die ausschließlich an den Kindern ausgerichtet und mit ihnen gemeinsam gestaltet wurden. So zeigten 79 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren dem Forschungsteam des DESI-Instituts alle Räume ihrer Kita und ermöglichten ihnen, sie beim Spielen und anderen Aktivitäten zu beobachten. Während der Besuche entstanden Beobachtungsprotokolle, Videos von Gruppendiskussionen, Mal-Interviews, Kinderzeichnungen sowie Foto- und Audioaufnahmen.

Gemeinsam auf Entdeckungstour
Angeführt von den Kindern gingen die Experten auf Entdeckungstour und fanden so heraus, was den Kindern wirklich wichtig ist. Ein Geheimversteck im Kita-Garten, etwas nicht essen zu müssen, einen Hang hochklettern, Räuber und Polizei spielen, nicht mitsingen, wenn man das Lied nicht mag – all dies sind Dinge, die sich die Kinder von einem guten Kita-Alltag erhoffen.

Sichtbare Wertschätzung
Nach Auswertung der vielfältigen Beobachtungen, Aussagen und Beschreibungen der Kinder steht für das Forscherteam fest: Kita-Kinder wünschen sich neben verlässlichen Strukturen vor allem die Anerkennung ihrer Individualität. Das heißt, Kinder wollen als individuelle Persönlichkeiten sichtbar sein. Sie fühlen sich wertgeschätzt und anerkannt, wenn sie, z.B. in Form von Geburtstagskalendern und Anwesenheitstafeln in der Kita präsent sind.

Kinder brauchen „geheime“ Orte
Darüber hinaus legen Kinder großen Wert auf „geheime Orte“. Kleine Verstecke, die von den Erwachsenen nicht jederzeit einsehbar und damit auch nicht so ohne weiteres kontrollierbar sind. Hier können sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen und mit ihren Kita-Freunden ungestört spielen, bzw. haben die Möglichkeit, sich auch ganz alleine in ihrer „geheimen“ Welt zurückziehen.

Rituale verbinden
Aus der Untersuchung geht ebenfalls hervor, dass die Kinder gerne an wiederkehrenden Ritualen (z.B. Kreisgespräche, gemeinsames Essen, Singen) teilnehmen, wenn sie aktiv an deren Ausgestaltung mitwirken können, das Mitmachen freiwillig ist und sie sich individuell einbringen können.

Fähigkeiten wahrnehmen
Damit Kinder in der Kita zu einer starken Persönlichkeit heranwachsen können, ist es wichtig, sie in ihrem Können zu bestätigen. Sie sind gerne „Profis“ in einem Bereich und freuen sich, wenn ihre Fähigkeiten wahrgenommen werden.

Überraschungen im Kita-Alltag
Auch wenn sich die Kinder verlässliche Strukturen im Kita-Alltag wünschen, lieben sie es, wenn Überraschungen und Ausnahmen möglich sind. Ein gelungenes Beispiel dafür: In einer der teilnehmenden Kitas haben Fachkräfte und Kinder für das Holen des Mittagessens aus der Küche einen ganz speziellen Ablauf entwickelt. Drei Kinder gehen mit einer pädagogischen Fachkraft in die Küche, um das Mittagessen zu holen. Während zwei Kinder den Rollwagen langsam zurück in den Essensraum schieben, darf sich das dritte Kind auf die unterste Ablage des Wagens legen. Den Kindern wird dadurch eine besondere Erfahrung ermöglicht: Ein Transportmittel, das aus Erwachsenensicht den Zweck hat, das Mittagessen von einem Ort zum anderen zu transportieren, darf von den Kindern für ihre eigenen Bedürfnisse genutzt werden. Das Mitfahren im Essenswagen wird so zu einem nicht alltäglichen Erlebnis, das den Kindern einen besonderen Glücksmoment schenkt.

Was schätzen die Kinder an Ihrer Kita?
Gibt es auch in Ihrer Kita vergleichbare Momente oder Rituale, die Kinderaugen sofort zum Strahlen bringen? Wir würden uns freuen, wenn Sie uns diese verraten würden! Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an info(at)schlaumaeuse.de.