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Viertklässler im Leistungstief

Donnerstag, 16 November, 2017
Stefanie Hoffmann
Aktuelles
Die Leistungen von Viertklässlern haben sich in Deutsch und Mathe bundesweit verschlechtert. Jetzt wird nach Ursachen und Lösungen gesucht.

Autsch! Die Ergebnisse des IQB Bildungstrends 2016 tun weh: Laut der bundesweiten Vergleichsstudie haben sich die Leistungen der Viertklässler in Deutsch und Mathe innerhalb der letzten fünf Jahre verschlechtert. Was sind die Ursachen dafür und wie kann der Lernstand verbessert werden?
Rechnen, Zuhören, Rechtschreibung: Laut der Studie IQB-Bildungstrend 2016 ist das Leistungsniveau von Deutschlands Viertklässlern in den letzten fünf Jahren in wichtigen Kernbereichen deutlich gesunken. Dies betrifft nicht nur das Lösen von kniffeligen Rechenaufgaben, sondern vor allem das Fach Deutsch.

Schwächen in der Rechtschreibung
Im Bereich „Lesen“ erreichten nur knapp 66 Prozent von rund 30.000 geprüften Kindern den Regelstandard, im Bereich „Zuhören“ waren es 68 Prozent. Insbesondere im Kompetenzbereich „Rechtschreibung“ zeigten sich deutliche Schwächen: Nur 54 Prozent der Mädchen und Jungen erreichen oder übertreffen die Regelstandards. 22,1 Prozent der Viertklässler lagen sogar unter dem Minimalbereich. Während Bayern in Sachen Orthografie den Spitzenplatz einnimmt, bilden Bremen, Berlin und Niedersachsen in diesem Testbereich die Schlusslichter.

Ursachen stehen nicht eindeutig fest
Dr. Camilla Rjosk vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hat die Studie begleitet und kennt die möglichen Ursachen für den bundesweiten Leistungsabfall der Grundschüler: „Einen einheitlichen Grund kann man dafür nicht benennen. Man muss gezielt schauen, welche Entwicklungen es in den einzelnen Ländern gegeben hat“, erläutert die Psychologin.

Veränderte Rahmenbedingungen
Was jedoch fest steht: Die Rahmenbedingungen an den Schulen haben sich zwischen 2011 und 2016 verändert. „Der Anteil der Schüler mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil hat zugenommen und auch die Zahl der Kinder mit Förderbedarf an den allgemeinen Schulen steigen. Das kann es den Lehrkräften schwer machen, auf alle Bedürfnisse der Kinder einzugehen.“, so die Mitarbeiterin des IQB-Instituts.

Leistungen in Hessen sind stabil
Ob der gestiegene Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund für die Leistungsverschlechterung ursächlich ist, kann allein aufgrund der gewonnenen Daten nicht länderübergreifend festgestellt werden. „Bundesweit hat sich der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund um neun Prozentpunkte erhöht“, erklärt Dr. Camilla Rjosk. „In Hessen sind es sogar 10 Prozent und die Leistungen sind trotzdem in allen geprüften Lernbereichen stabil geblieben.“ Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Flüchtlingskinder wurde übrigens noch nicht mit in die Studie einbezogen. Der Grund: Getestet wurden von Mai bis Juli 2016 nur die Kinder, die bis dahin schon seit mindestens einem Jahr Deutsch in der Schule gelernt hatten.

Qualitätsprüfung zeigt Wirkung
Hamburg gehört zu den ersten Bundesländern, die erfolgreich auf eine sich verändernde Schülerschaft reagiert. „Hamburg hat bereits vor etwa 10 Jahren eine Qualitätsprüfung im Bildungssystem eingeführt. Es gibt dort fortwährende Tests zur Überprüfung der Kompetenzen von Kindern. Außerdem werden jedes Jahr Statusgespräche zwischen Schulen und Schulaufsicht zur Weiterentwicklung geführt“, betont Camilla Rjosk. Die Maßnahmen tragen erste Früchte: War der norddeutsche Stadtstaat 2011 noch im Kreis der Bundesländer mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen vertreten, lagen 2016 die Resultate nur noch in zwei von vier Bereichen leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Kritische Bestandsaufnahme
Die Bildungsverantwortlichen in den anderen Bundesländern wollen ebenfalls eine kritische Bestandsaufnahme der bestehenden Bildungsmaßnahmen vornehmen. „Für mich gehören zu bester Bildung zwingend gute Leistungen in Deutsch und Mathematik. Wir müssen daher einen ‚Masterplan Grundschule‘ erarbeiten und geeignete Maßnahmen ergreifen, die Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler in diesen wichtigen Kernfächern von Beginn an zu steigern.“, teilte Yvonne Gebauer, Schulministerin aus Nordrhein-Westfalen, zur Vorstellung des IQB-Bildungstrends 2016 mit. Viel Zeit, um das Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler zu stärken bleibt allerdings nicht. 2020 findet bereits die nächste bundesweite Vergleichsstudie statt.

Die Schlaumäuse-Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder möglichst frühzeitig und mit viel Spaß an die deutsche Sprache heranzuführen. Dadurch trägt das Lernprogramm dazu bei, dass die Sprachekompetenzen der Kinder zur Einschulung möglichst soweit entwickelt sind, dass sie ihre Schulkarriere gut meistern können und nicht an Sprachdefiziten scheitern.