Anmelden Kontakt | Nutzungsbedingungen | Datenschutz und Cookies | Impressum

Von Mäusestempeln und Eieruhren

Freitag, 1 Dezember, 2017
Catrin Krawinkel
Aktuelles
Klare Richtlinien und feste Zeiten helfen, das Schlaumäuse-Lernprogramm in den Kitaalltag zu integrieren. Hier vier Beispiele.

Mit den Schlaumäusen verbessern Vorschulkinder ihre Deutschkenntnisse und sammeln erste sinnvolle Medienerfahrungen. Damit der Umgang mit dem Computer auch erfolgreich gelingt, sollten Kitas klare Regeln aufstellen. Wir haben vier Kitas befragt, wie sie das Programm in ihren Alltag integrieren.
Spielerisch in die Welt der Buchstaben eintauchen und auf verantwortungsvolle Weise erste Medienerfahrungen sammeln:

Die Kita Cuvrystraße in Berlin arbeitet seit 2016 mit den Schlaumäusen: „Unsere 10 Vorschulkinder des letzten Jahres haben sich intensiv mit dem Spiel beschäftigt. Sie durften jeden Tag 20 Minuten damit spielen“, erzählt Kitamitarbeiterin Renate Gerlach. Der intensive Umgang mit dem Lernspiel machte sich sofort bemerkbar. „Nach ihrer Einschulung bestätigte uns der Lehrer, dass die Kinder alle Buchstaben konnten, und sie gut vorbereitet eingeschult worden seien“, berichtet die Berliner Kitamitarbeiterin. „Einige unserer Kinder konnten auch schon ganze Worte lesen.“

Im evangelischen Kindergarten Friedenwalde in Petershagen im Kreis Minden stehen den Vorschulkindern zwei Tablets zur Verfügung. „Nachts schlafen die Schlaumäuse im Tresor“, erzählt Kitaleiterin Petra Seifert mit einem Schmunzeln. „Zum Freispiel oder zu Angeboten mit entsprechenden Lernzielen werden die Mäuse geweckt und den Kindern zur Verfügung gestellt.“

Natürlich haben alle Kinder Lust, mit den Schlaumäusen zu spielen. Aber in der Kita Friedewalde müssen sie erst einmal erste Erfahrungen mit dem Gerät sammeln. „Zunächst lernen die Kinder nach und nach den Umgang mit dem Tablet, und wenn sie sicherer sind, dürfen sie im Freispiel damit spielen“, so die Kitaleiterin. Eine Erzieherin hält sich dabei immer im Hintergrund auf, kann bei Fragen reagieren und bei Bedarf unterstützen. An einem Gerät spielen maximal bis drei Kinder für jeweils 20 Minuten.

„Ich habe noch nie erlebt, dass sich die Kinder während des Spiels gestritten haben. Sie verstehen, dass das Spiel einen Lerncharakter hat und kein Ballerspiel ist.“

In der Kita Schlaumäuse in Dresden ist der Name Programm: In der Bibliothek der Einrichtung sind drei Rechner installiert. 12 Wochen lang spielt die Vorschulgruppe hier einmal in der Woche jeweils 30 Minuten lang mit dem Schlaumäuse-Programm. Dabei sitzt jedes Kind an einem eigenen Rechner. Die Rechner sind mit Trennwänden voneinander getrennt. Damit der Umgang mit dem Computer reibungslos klappt, absolvieren die Kinder schon ein Jahr vor ihrer Vorschulphase erste Übungen zur Bedienung des Computers. Wenn sie dann in der Vorschulgruppe sind, folgt zunächst ein Test aus der älteren Schlaumäuse-Version. „Damit ermitteln wir, wie weit jedes Kind sprachlich ist“, erzählt Kitamitarbeiter Thomas Schröer.

Nach drei Monaten wird der Test wiederholt. „Wenn sie diesen bestehen, dürfen die Kinder auch alleine mit dem Programm spielen. Wir lassen dann eine Eieruhr laufen, die nach 30 Minuten klingelt“, sagt Herr Schröer. Kinder, die sich nicht allein an den Rechner trauen, sitzen mit einem weiteren Kind am Gerät. „Diese greifen dann ein und unterstützen das andere Kind“, so Schröer. Nach jeder Computersitzung erhält das Kind einen Mäusestempel in seinen Computerpass mit Datum. Kurz vor Ende der Kitazeit werden noch Schlaumäuse-Urkunden verteilt.

Bevor ein Kind in der protestantischen Markuskitatagesstätte in Pirmasens mit den Schlaumäusen spielen darf, muss es sich in eine Liste eintragen und erhält auf diese Weise eine Nummer. Dadurch weiß es genau, wann es an der Reihe ist. Doch bevor es losgeht, müssen die Kinder den Laptop aufbauen und zwei Stühle an den Tisch heranrücken. „Dieses Prozedere und das Eintragen in die Liste haben wir eingeführt, um die Selbständigkeit der Kinder noch zu stärken“, erläutert Gudrun Anderie. Auf dem einem Stuhl nimmt der Spieler statt, auf dem zweiten der „Co-Pilot“, ein Kind, das die Schlaumäuse erst kennenlernt. Jeweils zwei Spiele bzw. 15 Minuten lang darf ein Spieler das Lernprogamm nutzen. „Die Kinder halten sich problemlos an diese Gemeinschaftsregel“, erzählt die Kitaleiterin. Immer wieder beobachtet sie, dass sich die Kinder während des Spiels austauschen und miteinander kommunizieren. „Unsere neuen Vorschulkinder beginnen nach den Herbstferien mit dem Schlaumäuse-Spiel. Manchmal nehmen auch schon vierjährige Kinder teil. „Wir machen das Spielen mit den Schlaumäusen nicht unbedingt vom Alter abhängig. In erster Linie soll es ihnen Spaß machen.“